Mehr Zeit fürs Zuhören – Startsocial-Preisverleihung in Berlin

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Mehr Zeit fürs Zuhören

Wie Künstliche Intelligenz dem kürzlich preisgekrönten Verein Lebensmut Landshut hilft –
und auch anderen Vereinen Arbeit durch verschlankte Prozesse abnehmen könnte.

Von Claudia Hagn

Erst kürzlich ist der Verein Lebensmut Landshut bei der Startsocial-Preisverleihung in Berlin ausgezeichnet worden. Die Ehrung würdigt herausragendes ehrenamtliches Engagement sowie innovative gesellschaftliche Projekte. Vor über 20 Jahren von Barbara Kempf gegründet, gehöre Lebensmut nun zu den 25 besten sozialen Initiativen Deutschlands, ausgewählt aus einem Vielfachen von weiteren Organisationen. „Für unsere Größe ist das eine ausgezeichnete Wertschätzung. Wir werden gesehen. Und wir brauchen einfach das Ehrenamt“, sagt Barbara Kempf. Sie hat als Onkologin Lebensmut gegründet und ist die erste stellvertretende Vorsitzende.

Dieser Erfolg – an den ein Stipendium von Startsocial gekoppelt ist – basiert auf einer kontinuierlichen Weiterentwicklung der Vereinsarbeit gemeinsam mit vielen ehrenamtlichen Experten, sagt Geschäftsführerin Sandra Hintermaier. Im Mittelpunkt hätten dabei zwei zentrale Fragen gestanden: Wie kann mehr Zeit für die persönliche Begleitung von Menschen geschaffen werden? Und wie können Angehörige besser erreicht, unterstützt und in die Angebote eingebunden werden?

Angehörige werden auch betreut von Lebensmut

Ausgangspunkt des Projekts war eine vereinsinterne Auswertung. „Wir haben bislang nur einen vergleichsweise kleinen Teil an Teilnehmern, die Angehörige sind“, sagt Barbara Kempf. Krebs betreffe aber oftmals ganze Familien. Partner, Kinder, Eltern und Freunde seien auch oft sehr belastet und benötigten ebenfalls Unterstützung.

Deshalb stellte Lebensmut die Bedürfnisse von Angehörigen stärker in den Mittelpunkt seiner Weiterentwicklung. Dazu gehört unter anderem eine Familien- und Angehörigensprechstunde. Um die kostenlosen und niederschwelligen Angebote für an Krebs erkrankte Menschen und deren Angehörige weiter ausbauen zu können, setzt der Verein seit einiger Zeit auf die Unterstützung von Künstlicher Intelligenz. Und das aus einem bestimmten Grund, sagt Sandra Hintermaier. Denn durch die digitale Unterstützung sei es nun viel mehr möglich, sich um die Begleitung der Menschen zu kümmern. Wo früher Zeit für Verwaltung eingesetzt werden musste, hilft hier die digitale Künstliche Intelligenz in gewissem Maße. Arbeitsprozesse wurden verschlankt, Verwaltungsaufwand reduziert. So bleibe mehr Zeit für die zwischenmenschliche Betreuung und mehr Angebot. Zudem konnten acht neue Ehrenamtliche gewonnen werden. „Unser Ziel war nie, Menschlichkeit durch Technik zu ersetzen. Wir möchten moderne digitale Möglichkeiten nutzen, damit mehr Zeit für das entsteht, was wirklich zählt: Zuhören, Begleiten und Menschen mit Krebs sowie ihre Angehörigen stärken“, sagt Hintermaier.

Der entscheidende Hintergrund sei die besondere Organisationsstruktur: Der Verein wurde schon immer ehrenamtlich getragen und hatte bis zum Beginn der aktuellen Förderung „Krebs und Älterwerden“ am 1. Juli 2026, gefördert von der Deutschen Fernsehlotterie, noch nie fest angestellte Mitarbeiter. Auch für Hintermaier sei die Geschäftsführung lediglich eine Nebentätigkeit.

Sie kümmert sich nahezu allein um sämtliche organisatorischen Aufgaben des Vereins. Dazu gehörten unter anderem die Veranstaltungs- und Kursplanung, Fördermittel, Öffentlichkeitsarbeit und Spendenverwaltung, die Koordination der ehrenamtlichen Helfer sowie der Kursleitungen, die Betreuung der Homepage und der Social-Media-Kanäle, die Bearbeitung aller telefonischen und schriftlichen Anfragen, interne Abläufe und viele weitere Aufgaben.

Unter diesen Voraussetzungen sei es kaum möglich, den Verein dauerhaft professionell und gleichzeitig wirtschaftlich zu führen, ohne technische Unterstützung einzusetzen. Die Spendengelder könnten nun durch die Hilfe von KI möglichst unmittelbar für die Angebote eingesetzt werden, anstatt zusätzliche Kosten für weiteres Personal zu verursachen.

„Dass wir so viel mit KI arbeiten und uns das viel erleichtert, kann anderen Vereinen auch Mut machen“, sagt Kempf. Lebensmut Landshut arbeitet laut Hintermaier beispielsweise bereits mit einer weitgehend automatisierten Buchhaltung. Aktuell entwickle zudem ein ehrenamtliches Team aus vier Datenanalysten gemeinsam mit der Geschäftsführerin ein Datenanalyse-Dashboard, mit dem die Wirkungszahlen besser erfasst und sichtbar gemacht werden können. „Besonders mit Blick auf zukünftige Förderungen möchten und müssen wir gegenüber unseren Spenderinnen und Spendern sowie unseren Fördermittelgebern noch transparenter darstellen, was mit den uns anvertrauten Mitteln erreicht wird.“

Digitale Struktur ermöglicht dezentrale Arbeit

Die Grundlage für die digitale Vereinsstruktur sei bereits 2023 im Rahmen der Förderung „100xDigital“ der Deutschen Stiftung für Engagement und Ehrenamt gelegt worden. Das Digitale kommt Lebensmut Landshut auch zugute, wenn es um den Vorstand geht: Da dieser dezentral arbeitet, können die Verantwortlichen durch eine digitale Vereinsstruktur transparent auf die relevanten Informationen zugreifen – laut Hintermaier datenschutzkonform und nachhaltig. „Aber auch, weil ich persönlich großes Interesse an digitalen Entwicklungen und neuen technischen Möglichkeiten habe“, ergänzt die Geschäftsführerin. Kempf fügt hinzu, dass über Social Media immer mehr junge Menschen erreicht werden könnten.

Das Ergebnis ist ein überzeugendes: Die Prozesse und Arbeitsweisen hätten sich kontinuierlich weiterentwickelt. „Einen großen Anteil daran haben auch ehrenamtlichen Unterstützer wie Coach Korbinian Kunz sowie Henrik Motzkus, die den Verein während des Stipendiums mit ihrer fachlichen und ehrenamtlichen Unterstützung begleitet haben“, so Hintermaier. Die Zusammenarbeit werde auch künftig fortgesetzt – damit ein weiterer Ausbau von Lebensmut Landshut möglich ist.

Start Social

Bildunterschrift: Freuten sich über die Auszeichnung bei der Startsocial-Preisverleihung in Berlin (von links): Christiane Schenderlein, Staatsministerin für Sport und Ehrenamt, Barbara Kempf, Sandra Hintermaier sowie Coach Korbinian Kunz. Foto: Gordon Welters/Startsocial

Quelle: Landshuter Zeitung, 7. August 2026

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